7. September 2018, 19.30 Uhr

Romani istina

... Unser heiligster Baum ist die Weide ...

Vor vielen hundert Jahren ausgewandert aus Indien, leben die Roma heute auch in Europa. Wer sind sie? In Bildern, ihren Weisheiten und Liedern stellen Andreas Veshengo Jackisch und Zsolt Petery bei uns ihre Kultur vor.

Veranstaltung zur Kultur der Roma
Abend über die Roma mit Liedern und Bildern

Andreas Veshengo Jackisch

Mütterlicherseits gehöre ich zum Volk der Roma. 1954 in Görlitz geboren. Im Alter von fünf Jahren brachten mich Visionen in Kontakt mit der spirituellen Welt. Ich studierte Kunstwissenschaft und arbeitete bis 2017 als Kunstlehrer.

Während meines Studiums unterwiesen mich indische Yogalehrer im spirituellen Denken und Handeln. Indien ist das Ursprungsland meines Volkes. So verband mich, im tiefsten Inneren, das Verständnis des alten indischen Wissens, mit den heutigen kulturellen Dasein der Roma.

In den vielen Reisen, in die meisten Länder Europas, suchte und fand ich immer wieder, den Kontakt zu Menschen meines Volkes. Ich versuche mich vielseitig künstlerisch auszudrücken. So arbeite ich nicht nur bildkünstlerisch, sondern auch Gesang, Percussion und Gitarre gehören zu meinem Ausdrucksmitteln.

Als Autor schrieb ich ein Märchen in Roma-Tradition, „Der arme Zigeuner und die Tempelpriesterin“, welches ich 2015 als Buch verlegte. Im gleichen Jahr wurde ich gebeten, für das Kulturzentrum des Zentralrates der Sinti und Roma Deutschlands, beratend in deren Bildungsakademie, mitzuarbeiten.

Unser heiligster Baum ist die Weide.

Wir fühlen uns mit ihr verwandt, lernen aus ihrer Weisheit.

Ihre Form des Daseins begreifen wir als wahrhaftig spirituell.

Ein einzelner Zweig, in die Erde getan,

wird auf wundersame Weise überleben.

Denn er besitzt die Fähigkeit, eigene zarte Wurzeln auszubilden,

neue Triebe sprießen zu lassen, um so allmählich zu einem

lebendigen Baum heranzuwachsen.

Weich und biegsam bleiben sie, die Zweige der Weide.

Lassen sich zu einem vollendeten Kreis formen.

Brechen dabei nicht. Wir verstehen das als besondere Größe.

Wir wissen, dass Schwäche etwas Großes ist.

In allen Zeiten versuchten wir auch, so zu leben.

Wohl wissend, Stärke ist gering.

Daher bleiben, ebenso wie die Weide, wir Roma schwach und biegsam.

Versuchen auf diese wundersame Weise zu überleben.

Die weiße Gesellschaft erzieht ihre Gadschos

zu festen und harten Wesen.

Doch wir wissen, wenn ein Baum trocken und starr wird, stirbt er.

Härte und Stärke sind Gefährten des Todes.

Biegsamkeit und Schwäche bekunden die

sich erneuernde Lebendigkeit des Seins.

Daraus schöpfend, überleben unsere Schwestern, die Weiden.

Genau daraus schöpfen wir unsere Fähigkeit des Überlebens,

als das Volk der Roma.

Genau deshalb kann nicht siegen, was verhärtet ist.